Ausbrechen aus festen Tonarten, Harmonien und Takten
Kannst du es hören?
Das ist das Geräusch von drei umgebauten Saugrobotern, die in unvorhersehbaren Mustern umherfahren und eine Kakofonie von Klängen erzeugen. In einem Atelier hat eine der internationalen Klangkünstlerinnen, die hier im Sound Art Lab als Residents zu Gast sind, eine eigenartige Installation aus Austernschalen, Holzklötzen und Strandgut gebaut. Zwei Roboterarme drehen sich im Kreis und erzeugen mithilfe von Drahtgeflecht merkwürdige Geräusche.
Pola Trabinska stammt aus Warschau in Polen. Als sie drei Monate zuvor ankam, war ihr erster Gedanke, dass es merkwürdig sei, dass ausgerechnet Struer als „Stadt des Klangs“ gilt. Im Vergleich zu ihrer Heimatstadt ist es hier absolut still. Doch in den Gebäuden des Sound Art Lab existiert Klang in allen erdenklichen Facetten. Und hier kommt er nicht bloß aus zwei Lautsprechern, sondern aus vier oder acht. Es sei denn, er entspringt skurrilen, selbstgebauten Instrumenten, einem Puppenkopf, Tonskulpturen, in Büchern versteckten Spieldosen – oder eben drei Saugrobotern.
Hier ist der Klang auch nicht in dem gefangen, was Pola ein Gefängnis aus festen Tonarten, Harmonien und Takten nennt. Klangkunst fordert unser Gehör heraus und erschafft Erzählungen, die direkt ins Nervensystem übergehen. Man kann die Augen schließen, man kann darauf verzichten, etwas anzufassen, aber man kann die Ohren nicht verschließen. Der Klang ist da. Und er will etwas von uns.

