Die Venø-Fähre im Hinterhof haben
Kannst du es hören?
Der Motor brummt tief, die Heckklappe hebt sich ein wenig und die Schiffsschraube peitscht das Wasser auf.
Bereits in drei Minuten läuft die Fähre im Hafen von Venø ein – aber das ist genug Zeit, um sich auf das entschleunigte Inselleben einzustellen. So geht es zumindest Lise Aggerholm. Sie wohnt im alten Fährhaus ganz vorne an der Landspitze, und obwohl sie und ihr Mann das ganze Jahr über dort leben, fühlt es sich immer noch wie ein Aufenthalt im Sommerhaus an. Ein bisschen wie Urlaub rund ums Jahr.
Direkt in Lises Hinterhof legt die Venø-Fähre an, weshalb sie es nicht weit zur Arbeit hat. Mit 52 Jahren ließ sie ihre Karriere als Grund- und Hauptschullehrerin hinter sich und ließ sich zur Fährnavigatorin ausbilden. Obwohl sie die Kinder vermisst, freut sie sich jeden Tag darüber, dass sie den Mut hatte, sich beruflich komplett umzuorientieren. Sowohl wenn sie auf der Kommandobrücke sitzt und die Fähre steuert, als auch wenn sie an Deck geht und Tickets kontrolliert. Auf der Brücke genießt sie die Aussicht und die Ruhe, und an Deck liebt sie den kurzen Plausch, den sie mit Einheimischen und Touristen gleichermaßen führen kann.
Lise ist froh, dass sie auf der Venø-Seite von Bord geht, wenn sie Feierabend hat. Für sie bedeutet das Inselleben Zusammenhalt. Die Bewohner von Venø sind füreinander da und aufeinander angewiesen – genau wie sie auf ihre kleine Fähre und die Menschen angewiesen sind, die sie steuern.

