Einen Käse ins Fünf-Sterne-Hotel schicken
Kannst du es hören?
Nein, oder? Es ist nämlich absolut still. Kein Wind, kein Verkehrslärm, keine Maschinen.
Doch ein paar Mal pro Woche kann man das Geräusch eines Mannes hören, der vorsichtig einen Käse nach dem anderen herunternimmt, eine Scheibe abschneidet, sie probiert und wieder ausspuckt. Das ist Ib, Produktspezialist bei der Thise Molkerei, der die 14.000 Käselaibe überwacht, die in der Kalkgrube von Hjerm reifen. Ib liebt Käse, das ist also nicht der Grund, warum er ihn ausspuckt; aber jede Woche verkostet er 150 Käsesorten, und so viel kann selbst ein Käseliebhaber wie Ib nicht essen.
Ib ist stolz auf seine Käse. Besonders auf den mysteriösen „Fuldmåneost“ (Vollmondkäse), der nur bei – genau, Vollmond – hergestellt wird und der im Laufe seiner sieben Monate in der Kalkgrube eine Oberfläche bekommt, die den staubigen Kratern des Mondes täuschend ähnlich sieht.
Für einen Käse ist die Kalkgrube von Hjerm wie ein Fünf-Sterne-Hotel, erklärt Ib. Es herrscht eine konstante Temperatur, und die Luftfeuchtigkeit ist ebenso beständig. Das könnte man vielleicht auch mit einer guten Klimaanlage nachstellen, aber all die Flora und die Mikroorganismen, die dem Käse so viel Geschmack verleihen, können nur in der Dunkelheit der Kalkgrube entstehen.

